Die sardische Langlebigkeit

Liebe Sardinienreisende, wenn ihr nach Sardinien reist, könnt ihr bei genauem und bewusstem Hinsehen vor allem in den inselinneren Gebieten feststellen, dass es viele ältere und einige sehr alte Menschen gibt. Dafür gibt es einen Namen, nämlich die Longevità sarda.
Die sardische Langlebigkeit, insbesondere die Männerlanglebigkeit, ist ein einmaliges weltweites Phänomen. Am 01. Januar 2011 gab es in Sardinien 374 Menschen (Quelle: Istat, 2011),  die über 100 Jahre alt waren. Das ergibt je 100.000 Einwohner 22 Personen, die älter als 100 Jahre alt sind. Der sonstige Durchschnitt beträgt 8-10.

Seit 1997 gibt es ein Projekt mit dem Namen AKeA (Abkürzung für „A Kent’Annos“ – Auf hundert Jahre). Es ist das einzige zertifizierte weltweit durchgeführte Projekt zur Erforschung der Langlebigkeit. An dem Projekt hat die Universität von Sassari den Vorsitz und arbeitet mit dem Max-Planck Institut für demografische Forschung in Rostock und der Duke University, North Carolina, USA zusammen. Bei den bisherigen Recherchen ist man bei der Sichtung von Geburts- und Sterbeurkunden bereits auf 1.800 lebende oder bereits verstorbene hundertjährige Sarden gestoßen.

Bei Langlebigkeitsstudien werden häufig drei Untersuchungsorte erwähnt, nämlich die japanische Insel Okinawa, der Ort Ovodda auf Sardinien (bzw. Sardinien als Ganzes) und Loma Linda in den USA.

Ovodda ist ein Dorf mit 1.700 Einwohnern in Sardinien. Es liegt auf einer Höhe von 800 m über dem Meeresspiegel und ist von Wäldern umschlossen. Das besondere an diesem Dorf ist, dass es hier im Jahr 2008 fünf Hundertjährige gab. Hier ist die Männerlanglebigkeit mit der der Frauen vergleichbar. Das ist einzigartig, denn das passiert an keinem anderen Ort auf der Welt. Normalerweise leben die Frauen immer länger. Über die ganze Insel hinweg betrachtet kommen auf einen hundertjährigen Mann zwei hundertjährige Frauen. Das normale Verhältnis weltweit zwischen Männern und Frauen ist ein hundertjähriger Mann auf sechs hundertjährige Frauen.

Die Studien zur Erforschung der Langlebigkeit sind sehr komplex. Trotz vieler Jahre intensiver Forschung konnte noch kein eindeutiges Ergebnis für dieses Phänomen herausgefunden werden. Die Gründe liegen sicherlich mit in der Genetik begründet, aber ist das der einzige Grund? Neben dem rein genetischen Fakt werden auch die gesamten Lebensumstände und das Lebensumfeld mit in die Untersuchungen herangezogen. Damit sind die Ernährung, die Umgebung, das Klima, das soziale Miteinander und besonders die familiäre Situation gemeint. Die Regel ist, dass sich die ältesten Kinder um die Eltern kümmern, sie schätzen und für sie da sind. Sie werden weiter in das Leben eingespannt, um aktiv zu bleiben. Die alten Menschen bleiben nicht alleine oder werden in Altersheime verbracht.

Es ist nicht zu vergessen, dass das frühere Leben sehr von muskelintensiver Arbeit geprägt war, denn die Menschen haben hauptsächlich vom Ackerbau und der Landwirtschaft gelebt. Man kann also nicht zu dem Schluss kommen, sie haben nicht gearbeitet und sich für das lange Leben geschont.

Was die Ernährung anbetrifft, so liest man häufig, dass der gute Wein, frisches Quellwasser, das hervorragende Olivenöl, der Pecorino Sardo (sardischer Schafskäse), Cerealien und eine nicht zu üppige Ernährungsweise Gründe für das lange Leben sind.

Die reine Langlebigkeit der Bewohner ist nur ein Aspekt, der andere vielleicht sogar noch wichtigere Aspekt ist, dass die Menschen auch viel jünger aussehen als sie tatsächlich alt sind, so ist ein kalendarisch Siebzigjähriger vom Körper her vielleicht gerade mal 50 Jahre alt. Das ist ein Phänomen was man bei einer Sardinienreise sofort feststellen kann. Probiert es aus, schätzt kennengelernte und liebgewonnene Sarden dem Alter nach und wenn es sich anbietet bzw. die Situation erlaubt, fragt ruhig mal nach dem wahren Alter. Ihr werdet euch häufig vertun, versprochen!

In einem Zitat der Ärztezeitung vom 08. April 2004 heißt es: „Wer in Europa das ewige Leben sucht, der sollte in Sardinien anfangen.“ Denkt darüber nach, macht euch über den sardischen Lebensstil ein eigenes Bild und entscheidet, ob auch euch das Bereisen Sardiniens ebenso positiv beeinflusst und inspiriert.

weitere Quellen:
aerztezeitung.de
intrage.it
uniss.it
lamiamacrobiotica.wordpress.com

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