Motorradfahren auf Sardinien

Dass die Insel Sardinien ein Paradies als solches ist, wird den meisten von euch bereits bekannt sein. In diesem Artikel möchte ich auf die Spezies Motorradfahrer eingehen, die nach neuen Reisezielen stöbert oder Sardinien noch intensiver erleben möchte. Diese Anmerkungen und Informationen sind meine persönlichen Eindrücke, die ich in vielen Jahren über zigtausende Kilometer gesammelt habe.

Strada Bianca in den Bergen - Sardinienreisen 2014

Strada Bianca in den Bergen


Ich habe zwei Motorradmodelle in den Jahren gefahren, zuerst war es eine Honda VTR 1000 Firestorm, der eher sportliche Tourer, und später eine BMW R 1200 GS, der eher gemütliche hohe Endurotourer. Die Charakteristiken sind sehr unterschiedlich, haben aber beide sehr großen Spaß und viel Freude bereitet. Die Erfahrungen in den nachfolgend beschriebenen Kategorien habe ich während gemeinsamer Ausfahrten bzw. Biketauschen gemacht.

Motorradtypen

Prinzipiell ist die Insel mit sämtlichen Motorradtypen sehr gut befahrbar. Abhängig vom Typ gibt es wie überall Stärken und Schwächen zur Nutzung auf Sardinien. Die wenigen langen geradlinig verlaufenden Straßen lassen sich mit allen Modellen gut befahren. Fangen wir einmal mit den Tourern an, die wahrscheinlich am flexibelsten sind. Kurven und auch die engen S-Kurven lassen sich halbwegs geschmeidig umrunden, verzeihen einmal eine Unebenheit im Fahrbahnbelag und sind für den Einsatz in den engen Straßen und Gassen gut geeignet. Falls einmal eine Strada Bianca, also eine unbefestigte Straße, die zu einem Agriturismo oder zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte führt, dann gibt es bei verhaltener Fahrweise in der Regel keine Probleme. Praktisch sind die Tourer, da man sie gut mit Koffern bestücken kann. Die Sitzposition für Fahrer und Sozius ist aufrecht, um die herrliche Landschaft und die Panoramen, besonders entlang der Küstenstraßen, entspannt zu genießen.

Wer mehr auf den sportlichen Typ Kategorie Superbikes setzt, kommt natürlich auch auf seine Kosten. Beachtet aber bitte, dass aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten ihr eure Oberkörper permanent stämmen müsst. Der Fahrtwind wird keine große Unterstützung bieten. Die vielen engen Kurven, besonders auf den Küsten- und Bergstraßen, machen einen permanenten Muskeleinsatz erforderlich. Motorradreisen auf Sardinien ist also nicht nur Entspannung! Vorsicht ist besonders geboten, wenn das Tagesziel über Wald- oder Feldwege zu erreichen ist. Sofern der Untergrund trocken ist, kommt man mit einigen Mühen gut durch, aber sobald es ein wenig feucht wird, dann meidet am besten diese Straßen. Ab und zu wird auch eine Flussdurchfahrt nötig, dann bitte allerhöchste Aufmerksamkeit. Wer sich hingegen mit einer Supermoto auf Sardinien bewegt, wird unendlichen Fahrspaß erleben. Das geringe Gewicht, der kurze Radstand und die Agilität machen die Gefährte zu Kurvenräubern. Der Auspuffschall ist aufgrund der Landschaftscharakteristik mit Felswänden, Taldurchfahrten etc. gigantisch. Für diese Kategorie empfiehlt sich der Transport in einem Van oder auf einem Anhänger, denn so langstreckentauglich sind die Bikes bekanntlich nicht.

Und nicht zu vergessen sind die Cruiser und Chopper. Man sieht sie oft, aber ein Kinderspiel ist es nicht. Die ganz langen Radstände, das hohe Gewicht, die oft sehr großen Hubräume mit einem holprigen Fahrverhalten in den unteren Drehzahlen stellen gelegentlich Herausforderungen für die Lenker dar. Vielleicht ist es ratsam, die extremen äußeren Bauteile irgendwie gegen Schleifen zu schützen. Diese Situationen treten schnell ein wenn man fährt und mit einem Mal geht die Kurve unerwartet zu und eine tiefere Lage ist erforderlich. Meidet absolut die unbefestigten Straßen, sie können für diese Motorradart zum Verhängnis werden.
Sicherlich gibt es noch weit mehr Kategorien und Unterkategorien, aber alles kann man nicht darstellen. Jeder sollte für sich die für sein Motorrad zutreffende Charakteristik ermitteln und dann mit den Fakten abgleichen.

Sicherheit beim Fährübersetzen

Wer den Weg mit dem Motorrad nach Sardinien antritt, kommt irgendwann an die Fährhäfen und muss sein Gefährt in den großen Fährschiffen parken. Die Parkplätze werden vom Personal zugewiesen. Das Personal zieht die Motorräder in der Regel mit einem Seil an einer Reling fest. Wer dem skeptisch gegenüber steht, der sollte sich selbst 1-2 Seile mitnehmen und im griffbereiten Handgepäck mitführen. Mit einer gekonnten Knotenkunde kann man so das Bike selbst sichern. Zur Sicherheit legt einen Gang ein und befestigt eine Klemme zwischen Griff und Handbremshebel. So verringert ihr das Bewegungsspiel des Motorrades. Denkt dann an das Abschließen aller Koffer und nehmt die leichten Teile wie Tankrucksäcke und Schlafausstattung mit nach oben.

Klima und Jahreszeiten

Die klimatischen Verhältnisse lassen ein ganzjähriges Fahren zu. Besonders geeignete Reisezeiträume sind April bis Juni (Achtung im April können bei den Überfahrten durch die Alpen noch Sperrungen von Pässen sein) und natürlich dann von September bis Anfang November. In diesen Zeiträumen sind die Tageshöchsttemperaturen nicht mehr so hoch bzw. noch nicht so tief. Die Landschaften präsentieren sich wieder in grünen Farben. Im Sommer welkt das Gras unter der starken Sonne. In den Monaten November bis März lässt es sich natürlich auch gut reisen, nur gibt es hier einige Sachen zu beachten. Die Temperaturen können auf den Gefrierpunkt oder auch darunter fallen und lassen einige Straßenabschnitte gerade in Schattenlagen gefrieren. Aufgrund teilweise ungünstiger Sichten sind diese Stellen dann beim Fahren schwer ausmachbar. In den Bergen ist neben dem Frost auch mit Schnee zu rechnen. Die Winterzeit ist auch Regenzeit, also immer die Regenkombi mitnehmen. Im Sommer hingegen haben wir den anderen Extremfall, die Tagestemperaturen bewegen sich in der Regel zwischen 35 – 40 °C, was hohe Anforderungen an die richtige Bekleidung stellt. Es empfiehlt sich trotzdem entsprechende Motorradschutzkleidung zu tragen. Es gibt hervorragende Sommerkombis, die einen wirkungsvollen Airflow haben und trotzdem hohe Sicherheit bieten. Im Sommer sind die Straßen aufgrund der vielen Strandurlauber sehr voll, so dass hier sehr große Vorsicht und Geduld gefragt sind. Nehmt ausreichend Trinken und ggf. etwas Essen mit. Der Körper dehydriert zunehmend, ohne dass man es bemerkt und dies äußert sich plötzlich mit Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Regenerationsphase dauert dann entsprechend lang.

Straßentypen und -beschaffenheiten

Die Straßenstruktur und -konsistenz ist weitestgehend gut bis sehr gut. Es hängt natürlich von der Kategorie ab. Autobahnen gibt es nicht, die wenigen 4-spurigen SS (Strada Statale) haben die höchste Priorität und sind deshalb am gepflegtesten. Immer mehr werden bis 110 km/h freigegeben, es muss aber durch die entsprechenden Schilder ausgewiesen sein, ansonsten gelten 90 km/h. Danach folgen die 2-spurigen SS, die durch ganz Sardinien verlaufen und so die wichtigsten Orte und Städte verbinden. Die nächst niedrigere Kategorie sind die SP und SR (Strada Provinciale und Strada Regionale) die von den SS zu den kleineren Orten abzweigen. Als letzte Kategorie gibt es die SC (Strada Comunale). Diese Kategorie beinhaltet befestigte und unbefestigte Straßen, die eben zur Gemeinde gehören. Der auf Sardinien verwendete Straßenbelag, überwiegend Asphalt, ist vom Gripp her gut. Ich habe immer Tourenreifen gefahren. Das sind die Allrounder, die auch komplett ausreichen. Nimmt man zu weiche Reifen, schmirgeln sie sich im Nu ab. Nach vielfachen gemeinsamen Ausfahrten (meine VTR-Bereifung war immer Bridgestone BT 010; die BMW mit Originalbereifung) konnten wir bei teilweise materialfordernden Fahrten keine praktischen Unterschiede feststellen. Der Tourenreifen deckt also besser die verschiedenen Temperaturbereiche ab. Die Straßen sind soweit sauber, können natürlich gerade bei Einmündungen von Feld- und Waldwegen oder Baustellen spontan verschmutzt sein. Auf den Straßen Sardiniens entstehen immer mehr Kreisverkehre, um den Verkehrsfluss natürlich zu regeln. Hier müsst ihr entsprechend Obacht geben, besonders in den mehrspurigen, denn da steckt Gefahrenpotenzial drin.

Fahrverhalten

Zu beachten ist, dass es neben sehr schnellen Fahrern auch sehr langsame (Autos, Busse, Wohnwagen, Apen, etc.) gibt, die plötzlich hinter den Kuppen oder den engen Straßen für Überraschungen sorgen. Nennenswert sind auch die unzähligen Tiere wie Kühe, Schafe, Ziegen und teilweise Pferde, die freilaufend die Straßen überqueren oder dort eine Verschnaufpause einlegen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Kurven mit Reserven anzufahren. Die Reserven braucht ihr, wenn die Kurven, die meist nicht symmetrisch verlaufen, sich unerwartet öffnen oder schließen. Noch gefährlicher sind die Verkehrsteilnehmer, die im Gegenverkehr von ihren Fahrbahnen auf die eigene kommen. Lasst Platz und passt die Geschwindigkeiten rechtzeitig an. Wundert euch nicht, wenn ihr meint, dass ihr ein flottes Tempo fahrt, es gibt einige Auto- oder Motorradfahrer, die viel zügiger sind und in jeder möglichen und unmöglichen Lage überholen. Setzt den Spiegel ganz bewusst ins Fahren ein! Vorausschauendes Fahren zahlt sich hier besonders aus. Das Fahren in kleinen Gruppen bietet sich sehr an, besonders wenn man in den abgelegenen Gebieten unterwegs ist. Falls etwas passieren sollte, wartet man ggf. sehr lange auf Vorbeifahrende.

Beschilderung

Die Straßenbeschilderung ist nicht immer komplett, vor allem in den abgelegenen Gebieten fehlen ab und zu Schilder. Einige Schilder sind von Schießtreffern also Löchern, Verbeulungen oder Schrotkugelabdrücken von der Sicht her eingeschränkt. Dazu kommen Verwitterung und verbogene Schilder, wo man einige Deutungsprobleme haben kann. Es gibt viele Navigationssysteme, die bei der Orientierung sehr gut helfen, jedoch sind nicht alle Straßen vermerkt und der GPS-Empfang ist auch nicht immer gegeben. Eine Straßenkarte sollte man als Backup immer dabei haben.

Beschilderung einmal anders - Sardinienreisen 2014

Beschriftung auf einem Stein

Fahren in Ortschaften

In Ortschaften ist wie überall Vorsicht geboten. Wichtig ist zu wissen, dass Ampelsteuerungen anders als in Deutschland funktionieren. Die Ampelphasen sind anders geregelt. Wenn in Deutschland in der Ampel ein Pfeil grün aufleuchtet, heißt das in der Regel, dass die anderen Verkehrsteilnehmer warten müssen und ich allein fahren darf. Das ist in Italien anders. Bei einer grünen Ampel mit Pfeilen haben auch gleichzeitig die Fußgänger beispielsweise grün. Weiterhin ist auf wechselnde Fahrbahnoberflächen zu achten wie Asphalt, Stein etc. In Italien werden immer mehr stationäre Blitzanlagen aufgestellt. Diese blitzen in der Regel von hinten, also ordentlich fahren. Zu den stationären Blitzern werden häufig mobile Polizeieinheiten eingesetzt, um für die entsprechenden Überraschungsmomente zu sorgen. Beim Parken ist darauf zu achten, dass die 3 verschiedenen Farbmarkierungen ansagen, ob und wie geparkt werden kann. Eine gelbe Linie bedeutet Parken verboten, die weiße Linie zeigt an, dass man kostenlos parken darf und die blaue Linie weist daraufhin, dass etwas zu zahlen ist. Dazu stehen dann aber die Schilder mit den entsprechenden Hinweisen. In den historischen Dorf- und Stadtkernen geht es sehr häufig eng zu, deshalb auch hier mit Bedacht fahren.

Vermietung von Motorrädern und Führungen

Auf Sardinien gibt es einige Motorradvermietungen, so dass man sich die lange Anfahrt sparen kann und bequem mit dem Flugzeug anreist. Beim Mieten gibt es einige Sachen, vor allem für die eigene Sicherheit, zu beachten. Schaut welche Ausstattung das Motorrad und die Kleidung hat. Prüft, ob Helme, Jacken, Hosen, Schuhe, Handschuhe, Regenbekleidung, Tankrucksack etc. ausgeliehen werden können. Bei der Fahrzeugübernahme ist zu schauen, ob die Revisionen (in Deutschland sind es die TÜV-Kontrollen) und die Wartungen durchgeführt wurden. Es versteht sich von allein, dass der allgemeine Zustand, Reifen, Funktionsfähigkeit der Lichtanlage, Bremsen usw. kontrolliert werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Versicherung. Hier unbedingt die Aktualität der Versicherungsunterlagen, den Versicherungsumfang und auch die jeweiligen Selbstbeteiligungen im Schadensfall prüfen. Es sollten natürlich nur von autorisierten Anbietern Motorräder gemietet werden. Diese haben oft auch Kontakte zu Fremden- oder Reiseführern, die euch auf euren Tagestouren begleiten und mit Informationen versorgen können.

Tanken auf Sardinien

Ausflugsvorbereitung Tanken - Sardinienreisen 2014

Ausflugsvorbereitung Tanken

Bezüglich des Tankens sind ein paar wichtige Hinweise zu beachten. Die Ausflüge sollten immer mit vollem Tank begonnen werden. Wer einen kleinen Tank hat (wie z.B. die VTR), sollte zwischendurch immer Mal nachtanken. Der Hintergrund ist, dass es in den nicht so dicht besiedelten Gebieten, von denen es aber viele gibt, die Tankstellendichte relativ niedrig ist. Die Tankstellen sind in der Regel recht klein, also 2-4 Zapfsäulen, und werden vorwiegend ca. 8.00 – 13.00 Uhr und von 16.00 – 20.00 Uhr bedient. Der Tankwart legt in der Regel selbst Hand an. Wenn dieser außerhalb der Öffnungszeiten nicht vor Ort ist, sind meistens die Selbsttankanlagen aktiviert. Nicht jede Tankstelle hat aber diese Tankautomaten. Die Tankautomaten akzeptieren meistens nur Geldscheine, d.h. das Mitführen von ein paar kleinen Geldscheinen wie 5-10 Euronoten sind da schon fast ein Muss. Mein Tipp ist, tankt vor dem Mittag noch einmal auf und dann lässt es sich am Nachmittag entspannt reisen.

Handgepäck auf jeder Tour

Ich empfehle unbedingt ein paar Sachen immer an Bord zu haben. Führerschein, Fahrzeugpapiere, grüne Versicherungskarte und Ausweis sind selbstverständlich. Man sollte etwas zu Trinken und zu Essen dabei haben, eine Regenkombi ist je nach Jahreszeit ein sehr nützliches Utensil. Eine gelbe Warnweste und einen Motorradverbandskasten sind dringend zu empfehlen, denn im schlimmsten Fall sind die Krankenhäuser und die Rettungswagen weit entfernt und benötigen viel mehr Zeit zum Erreichen eines Unfallortes als in Deutschland. Eine Sardinienstraßenkarte und ein Reiseführer ggf. ein Taschenwörterbuch und Ausrüstung für die Verrichtung einer Notdurft sollten nicht fehlen. Für Brillenträger ist eine Ersatzbrille und für Kontaktlinsenträger eine Ersatzkontaktlinse und Flüssigkeit angebracht. Der Fotoapparat für die schönsten Fotos, ein Handy und eine kleine Tüte für Abfälle dürfen natürlich nicht fehlen. Das bereits angesprochene Tankgeld in kleinen Scheinen ist sehr hilfreich. Diese Sachen lassen sich prima im Tankrucksack oder in einem Koffer verstauen.

Das Wichtigste

Motorradfahren auf Sardinien macht unwahrscheinlich Spaß. Man kann seine Freiheit auf zwei Rädern nahezu unbegrenzt genießen. Man findet Ruhe, Spannung, Abwechslung, wundervolle Landschaften, Orte und Menschen. Damit das auch zukünftig so bleibt, bitten wir um einen respektvollen Aufenthalt. Tourismus ist etwas sehr Schönes, solange es nicht zur Last für die Destination wird.

Viel Spaß bei eurem Sardinienbesuch mit dem Motorrad!

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